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# steffenball   

Veröffentlicht am 21. Dezember 2022

Containerdorf für Geflüchtete in Heusenstamm: Umzug der Bewohner*innen nach Neu-Isenburg – Aktuelle Information

Containerdorf für Geflüchtete in Heusenstamm: Umzug der Bewohner*innen nach Neu-Isenburg – Aktuelle Information


Heusenstamm, 21. Dezember 2022 - Nach Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 hatte die Stadt Heusenstamm innerhalb von wenigen Wochen das sogenannte Containerdorf in der Martinseestraße für rund 200 schutzsuchende Personen aus der Ukraine errichtet.

Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, wie viele Ukrainerinnen und Ukrainer nach Deutschland kommen werden und wie lange der Aufenthalt dauern würde (die Einreise erfolgt visumfrei). Bereits im April/Mai konnten die ersten Geflüchteten mit großer Unterstützung der Stadt, der für die Betreuung der Geflüchteten zuständige Arbeiterwohlfahrt, der Heusenstammer Bevölkerung und dank der aktiven Hilfe zahlreicher Ehrenamtlicher hier untergebracht werden. Bis heute wurden mehr als 43.000 Euro auf ein Spendenkonto eingezahlt, wovon mittlerweile rund 30.000 Euro verwendet wurden, u.a. für die Unterstützung der Tafel. Im Jahr 2022 werden die Heusenstammer Steuerzahler*innen rund eine Million Euro in das Heusenstammer Containerdorf investiert haben.

Im Juli und August wurde das Dorf wegen der zu diesem Zeitpunkt zurückgegangenen Geflüchtetenzahlen auf etwa 80 Plätze zurückgebaut.
Von Anfang an sollte das Containerdorf in Ermangelung alternativer Unterbringungsmöglichkeiten in unserer Stadt eine Übergangslösung darstellen. Das Ziel war und ist es, die Menschen in feste/gemauerte Gebäude mit entsprechender Infrastruktur zu bringen.

In den vergangenen Wochen hat die Stadt gemeinsam mit dem Kreis Offenbach eine sinnvolle Alternative erarbeitet. Alle Bewohnerinnen und Bewohner des Heusenstammer Dorfes ziehen in die Kreisunterkunft im vormaligen LSG Sky Chefs-Gebäude nach Neu-Isenburg um. Das barrierefreie Haus bietet Platz für rund 550 Personen und wird ausschließlich von ukrainischen Geflüchteten bewohnt. Die Unterbringung erfolgt in möblierten Zimmern mit Toilettenanlagen auf dem Gang (Duschen in separaten Containern). Außerdem sind ein Aufzug, ein Arztzimmer und Diakoniebüro, ein Fahrradkeller sowie Waschmaschinen und Trockner vorhanden. Das Catering erfolgt mit frisch zubereiteten Speisen und ein Sicherheitsdienst ist rund um die Uhr vor Ort. Zu den weiteren Ausstattungen zählen Teeküchen mit Mikrowellen und Wasserkocher; Kaffeemaschinen sind gratis. In der Kantine gibt es Vollverpflegung mit vielen wählbaren Optionen (zum Beispiel Diätküche). Die Diakonie bietet jeweils mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr eine offene Sprechstunde sowie nach Vereinbarung an.

Der Umzug, den die Stadt organisiert hat, fand am Dienstag (20.12.) statt. Der Bürgermeister sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Stadt, Kreis und AWO hatten die Bewohnerinnen und Bewohner in Versammlungen, Einzelgesprächen und auch schriftlich über den Umzug und die Umstände informiert. Auf Wunsch können die Bewohnerinnen und Bewohner nach wie vor die verschiedenen Angebote in Heusenstamm, wie beispielsweise die Integrationskurse, nutzen. Auch die Kinder können weiterhin die Schulen in der Stadt besuchen.
Gleichwohl haben sich am Dienstagmittag 21 von 54 Bewohnerinnen und Bewohner dem Schreiben des Kreises Offenbach widersetzt, nach Neu-Isenburg umzuziehen.

Für den Umzug nach Neu-Isenburg gibt es zwei Gründe:
Wegen der aktuell brisanten Weltlage rechnet der Kreis Offenbach mit einem enormen Anstieg an Zuweisungen geflüchteter Personen aus verschiedenen Ländern. Aus diesem Grund hatte der Kreis alle 13 Kreiskommunen aufgerufen, die Belegungen in den bestehenden städtischen Geflüchtetenunterkünften zu optimieren und – nach Möglichkeit – die großen Unterkünfte des Kreises zu belegen, die speziell für Geflüchtete aus der Ukraine geschaffen wurden. So sollen wiederum Kapazitäten in den Kommunen für die neuen zu erwartenden Zuweisungen geschaffen werden. Insofern hatte der Kreis Offenbach entschieden, die Bewohner*innen des Containerdorfs in Heusenstamm in die Kreisunterkunft nach Neu-Isenburg, in der ausschließlich Ukrainerinnen und Ukrainer wohnen, umzuziehen. Es ist gewährleistet, dass alle Personen aus Heusenstamm hier zusammenbleiben können, wenn sie das möchten.

Daneben ist das Containerdorf noch nicht für einen längerfristigen Aufenthalt in den Wintermonaten ausgelegt. Das zeigt sich vor allem in der momentan noch ungesicherten Energieversorgung und im Speziellen in der schwierigen Heizsituation. Diese Faktoren bergen unnötige Risiken für die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner.
Das Containerdorf wird am 1. Januar 2023 vollständig an den Kreis übergeben und derzeit von der Stadt weiter „winterfest“ aufbereitet, u.a. auch für eine potentielle Energiemangellage. Nach aktuellem Stand ist damit zu rechnen, dass der Kreis weitere geflüchtete Personen aus vielen Nationen, die hier ankommen, im Containerdorf unterbringen wird. Durch die Übernahme des Containerdorfes durch den Kreis kann der städtische Haushalt ab dem kommenden Jahr deutlich entlastet werden.

Seit Bekanntwerden des geplanten Umzugs der Bewohnerinnen des Heusenstammer Containerdorfes in die Ukraine-Kreisunterkunft nach Neu-Isenburg werden gezielt Desinformationen - Hintergründe für den Umzug, Ausstattung der neuen Unterkunft, Möglichkeiten der Versorgung und Betreuung - in der Hauptsache über die Social Media-Plattform facebook gepostet. Diese faktisch falschen Informationen wurden zudem in direkter Ansprache an die Bewohnerinnen des Dorfes kommuniziert.

Zwischenzeitlich hatte diese Art der Desinformation eine Dimension angenommen, die es allen Beteiligten deutlich erschwert hat, eine sachliche und vertrauensvolle Umsetzung zu realisieren. Die Stadt prüft nun rechtliche Schritte gegen einzelne Personen, u.a. auch wegen des Betretens des Containerdorfes mit falscher Identität.

Bürgermeister Steffen Ball: „Die adäquate Unterbringung geflüchteter Menschen in Heusenstamm und dem gesamten Kreis Offenbach ist eine gemeinsame Leistung von Behörden, Geflüchteten und Bürgerinnen und Bürger. In einer Region, in der Wohnraum sehr knapp ist und Gebäude nicht immer auf dem modernsten Stand sind oder keinerlei Versorgungsmöglichkeiten bieten, stehen alle Verantwortlichen vor einer großen Herausforderung. Die Geflüchteten kommen aus Kriegsgebieten auf der ganzen Welt, sie sind politisch oder religiös verfolgt oder haben andere Gründe ihre Heimatländer zu verlassen. Wir möchten alle Menschen, die hier ein neues oder ein vorübergehend neues Zuhause suchen, nach besten Kräften unterstützen. Es geht aber nicht ohne die Rücksichtnahme und Solidarität aller Beteiligten.“

Blick in die Zukunft
Aktuell führt der Kreis Verhandlungen mit einem Immobilieneigentümer in Heusenstamm, um ein Bestandsgebäude als Alternative zum bestehenden Containerdorf in unserer Stadt anzumieten. Sobald die Anmietung erfolgt und als vollwertige Unterkunft vorbereitet ist, werden alle Personen, die bis zu dessen Betriebsstart im Containerdorf untergebracht sind, in diese neue Immobilie umziehen.

Die Stadt ist in alle diese Prozesse intensiv eingebunden.


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