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# steffenball   

Veröffentlicht am 24. Februar 2023

Opfergedenken am 23. Februar 2023 im Schlossrathaus

Opfergedenken am 23. Februar 2023 im Schlossrathaus


Gestern Abend, am 23. Februar, haben sich rund 100 Menschen im Heusenstammer Schlossrathaus versammelt, um den Opfern des Ukrainekriegs zu gedenken.
Der 23. Februar 2022 war, wie wir heute wissen, der Vorabend des Angriffskrieges Russlands auf den souveränen Nachbarstaat Ukraine und auch der letzte Tag der Welt, wie wir sie bis dato kannten. Nur 24 Stunden später lief die Nachricht um die Welt, dass die russische Armee tatsächlich in der Ukraine - Mitglied der Vereinten Nationen, der OSZE, des Europarats - einmarschiert ist und ihr unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und fadenscheiniger Begründungen das Existenzrecht abspricht. Wir ahnten schon an Tag 1, dass der Krieg vor unserer Haustür vieles nachhaltig verändern und unsere Weltordnung ins Wanken bringen würde. Und dass dieser Krieg auch unser Krieg sein würde.

An diesem Jahrestag schauen wir auf 365 Tage Kampfhandlungen und puren Schrecken zurück. Wir haben großes Leid und zerstörte moderne Städte gesehen, wir haben von andauernden diplomatischen und militärischen Bemühungen und Verwicklungen gehört, wir haben Begriffe wie Zeitenwende kreiert, wir haben uns in Rekordzeit von eigenen als unerschütterlich geglaubten Koordinatensystemen und Paradigmen verabschiedet und wir haben viel dazulernen müssen.

Innerhalb eines Jahres sind Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, um in den Nachbarländern oder anderen Staaten Schutz und Hilfe zu finden. Die Frauen, Männer und Kinder, die in der Ukraine verblieben sind, müssen die Schrecken des Krieges jeden Tag aufs Neue erleben und ertragen: In den Herbst- und Wintermonaten fehlen Strom und Wärme, Lebensmittel sind knapp und an jeder Ecke fehlt es am Nötigsten. Die Ukrainerinnen und Ukrainer bangen jeden Tag darum, dass ihr Staat am nächsten Tag noch existiert. Sie werden bombardiert und beschossen. Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilpersonen kämpfen mit allem, was sie haben, um ihr Land bestmöglich zu verteidigen – vermutlich hat jede einzelne Familie bereits Angehörige verloren. Städte und wichtige Kulturstätten sind unwiederbringlich dem Erdboden gleichgemacht. Und Orte wie Butscha sind ein Synonym für Unmenschlichkeit und Terror geworden - eine humanitäre Katastrophe inmitten des aufgeklärten Europas.

Aber auch die Europäerinnen und Europäer sowie die Menschen weltweit spüren die unmittelbaren Folgen dieses Krieges: Geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer suchen in anderen Ländern Schutz und Hilfe, wegen der ausbleibenden Getreidelieferungen und Seeblockaden droht eine Hungersnot, die Preise für Nahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs sind gestiegen oder gar explodiert, das Inflationsniveau ist so hoch wie lange nicht mehr, und über allem schwebt die Gefahr einer Energiekrise. Und ein Frieden ist nicht in Sicht.
Nach einem Jahr ist klar, dass der 24. Februar 2022 als einer der schwärzesten Tage in die Datenchronik der Menschheitsgeschichte eingehen wird.
Heute gedenken wir in erster Linie der Opfer und Verletzten dieses Angriffskriegs. Wir denken an die ums Leben gekommenen Ukrainerinnen und Ukrainer, die Bürgerinnen anderer Nationalitäten, die in der Ukraine lebten, sowie die gefallenen ukrainischen Soldatinnen und Soldaten und Zivilistinnen.

Wir denken auch an die Familien, die ihre Liebsten verloren haben. Wir denken an die ukrainischen Ärztinnen und Ärzte, Feuerwehren und Rettungsdienste, Lehrer*innen und Lehrer und zahllose andere Berufsgruppen und ehrenamtlich Tätigen, die ihre Landsleute jeden Tag aufs Neue unterstützen und die Unmenschliches leisten.
Wir denken an die Soldatinnen und Soldaten der NATO-Verbündeten in den Grenzregionen und aller beteiligten europäischen und us-amerikanischen Armeen und Heere.

Wir denken auch an die gefallenen russischen Soldaten, die von ihrem eigenen Präsidenten in einen sinnlosen und völkerrechtswidrigen Krieg geschickt und wie Schachfiguren zur Erfüllung imperialistischer Illusionen und Großmachtfantasien aus vergangenen Jahrhunderten benutzt werden.


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